Auf der Aare von Biel nach Aarau

07 j

Einführung
Die Aare im Abschnitt ab dem Bielersee zu befahren reifte anlässlich unseres fahrradbegleiteten Wanderrittes von der Côte d'Azur zurück nach Hause, dessen Streckenführung teilweise entlang dieses Flusses führte. Die zum damaligen Zeitpunkt hohen Pegelstände kurz nach dem grossen Hochwasser, welches etliche Bereiche im Mittelland unter Wasser setzte, suggerierten uns ein rasch fliessendes Gewässer mit etlicher Dynamik. Wir rechneten deshalb, dass die knapp sechzig Kilometer messende Strecke von Biel bis nach Murgenthal gut an einem Tag zu bewältigen sein sollten. Ein zusätzlicher Blick auf die Landkarte hätte uns zeigen können, dass es sich um eine Ausnahmesituation handeln musste, beträgt doch der Höhenunterschied zwichen Bielersee und der Aare in Murgenthal lediglich ca. 30 Meter und das Gefälle somit durchschnittlich nur ein halbes Promille. Die Abtreppung duch die vier Staustufen in Biel, Flumenthal, Bannwil und Wynau eingerechnet, bleibt somit nicht kein grosses Potential für zügiges Wildwasserfahren. Mangelndes Gefälle sollte sich jedoch nicht als grösste Hemmschwelle für eine rassige Fahrt heraus stellen.

Tagebuchausschnitte
Kurze Passage auf dem Bielersee
An der Schiffsanlegestelle in Biel bauten wir neben all den grossen Kähnen der Bielerseeschifffahrtsgesellschaft unseren bescheidenen Faltkanadier zusammen, verstauten all das Gepäck und den zuvor im Zentrum von Biel beschafften Proviant. Zuvor beim Gang durch die Stadt hatten wir uns ein wenig über die konsequent zweisprachige Beschriftung der Wegweiser und Strassenschilder amüsiert. Selbst in Fällen, in welchen der Unterschied marginal war, wurden beide Versionen hübsch nebeneinander gepflegt. In der Folge fuhren wir ein kurzes Stück von der Anlegestelle der Schiffe auf den Lac de Bienne hinaus, um alsbald den Bielersee auf dem Nidau-Büren Kanal wieder zu verlassen.
Eine verpasste Erfahrung
Zwischen den Städten Biel und Solothurn verkehren auf der Aare Linienschiffe der BSG und dies hat zur Folge, dass das Wehr bei Port mit einer Schleuse ausgerüstet ist. Bei unserer Annäherung ans Wehr war das Tor zur Einfahrt in die Schleusenkammer geschlossen und wir wurden per Lautsprecher angewiesen am Landesteg zu warten. Wir hatten uns jedoch bereits zum Umtragen entschlossen und brachten uns damit um eine neue Erfahrung. Aber wir sind sicher, dass sich uns bestimmt wieder einmal die Gelegenheit bieten wird.
Kampf im Gegenwind
Bereits bei der Fahrt mit der Eisenbahn von Zürich nach Biel wurden wir uns beim aus dem Zugfenster schauen der etwas besonderen Wetterlage bewusst. In der Regel ist man nicht gross überrascht, wenn man nach dem Heitersbergtunnel in dichten Nebel eintaucht, welcher einen durch den Aargau und das nachfolgende Aaretal hartnäckig begleitet, während man erahnen kann, dass auf den Jurahöhen oberhalb der Nebelgrenze Sonnnenschein herrscht. Am heutigen Tage war die Situation vollkommen invertiert. Die Tallagen präsentierten sich nebelfrei, während die Gislifluh und nachfolgend grosse Teile der ersten Jurakette hinter dichten Nebelschwaden verschwanden. Dies war auf die herrschende Bisenlage zurück zu führen und dies bedeutete, dass wir an diesem Tage den Wind gegen uns hatten. Dies hatte zur Folge, dass wir nicht nur mehr Probleme hatten, einen geraden Kurs zu fahren, sondern auch, dass wir ohne grössere Kraftanstrengung kaum vorwärts kamen. Hatten wir optimistisch damit gerechnet, etwa zur Mittagszeit Solothurn zu erreichen, so wurde es schliesslich ziemlich genau vier Uhr, bis wir den ersten Blick auf die grün bedachte Kathedrale werfen konnten. Bei Fotostops, wie beispielsweise im malerischen Büren an der Aare, bei welchen wir mit dem Paddeln aussetzten, trieben wir gar flussaufwärts. Der Wind kompensierte mehr als nur die Strömung der Aare.
"The Bridges of ...
... Madison County", der romantische Liebesfilm mit Robert Redford kommt einem unweigerlich in den Sinn, wenn man diesen Abschnitt der Aare mit den vielen gedeckten Holzbrücken befährt. Es darf durchaus vermutet werden, dass die Zimmerleute in der Neuen Welt, welche für die gedeckten Brüken in der Neuen Welt verantwortlich waren, ursprünglich aus dem alemannischen Raum stammten.
Zur Brücke in Büren an der Aare, die abgebrannt und rekonstruiert worden sein soll, hat der Autor dieser Zeilen keine persönliche Beziehung und hat sie und das malerische Städtchen zum ersten Mal gesehen. Die Holzbrücke in Murgenthal, dem Ziel unseres ersten Tages, ist ein Symbol engster Heimat, ist er doch in diesem Dorfe aufgewachsen. Die Brücke in Olten ist am längsten schon dem Verkehr entzogen und stellt ein Stück Kindheitserinnerung dar. Besonders das Marroniehäuschen am Ende der Brücke auf der Altstadtseite war an kalten Wintertagen Erlösung, liessen sich die Eltern beim Stadtbummel doch ab und zu erweichen, eine Tüte mit diesen Boten und Köstlichkeiten südlicher Gefilde zu kaufen. Bleibt noch die Ambivalenz der Gefühle, die mit der gedeckten Holzbrücke von Wangen an der Aare verbunden sind. Einer Diode gleich ging man leichten Schrittes in Richtung Städtchen, während Schwermut die umgekehrte mit Widerstand verbundene Richtung charakterisierte. Des Rätsels Lösung: Rekrutenschule in Wangen a.A.
Aarelandschaft als Naturreservat
Obschon der Lauf der Aare weitestgehend in Kanäle gezwängt wurde und zur Produktion elektrischer Energie herhalten musste und muss bleiben noch weite Abschnitte, die landschaftlich sehr reizvoll und der Wasserfauna Raum zum Leben lassen. Hier gebührt Dank allen Naturschützern und andern Interessensvertretern wie den Fischern, die den recht wilden und naturbelassenen Abschnitt zwischen Wolfwil und Murgenthal zu schützen wussten. Das Örtchen Altreu mit seiner Storchenaufzucht markiert schon fast symbolhaft einen Wendepunkt im Verhältnis Mensch - Umwelt und Technik.
Landstädtchen an der Aare
Den eben erst dargestellten Naturaspekt lassen wir hier aussen vor. Bleiben vorerst einmal die historisch bedeutsamen kleinen Städtchen, die von der Aare durchflossen werden: Das hübsche Berner Landstädtchen Büren an der Aare - der naturbelassenen Alten wie der kanalisierten Neuen - macht den Anfang. Solothurn ist von der Bedeutung her schon fast eine Grossstadt zu nennen. Die Botschafter des royalen Frankreichs, oder sollte man genauer Anwerber von Söldnern sagen, hielten hier Hof, weshalb sie auch den Übernamen Ambassadorenstadt trägt. Die Ambassadeurs sind gegangen, der Bischof ist gekommen, nur heisst sein Bistum nicht Solothurn sondern Basel! Bei den nächsten beiden Städtchen, Wangen an der Aare und Aarwangen, man beachte die Vielfalt in der Namensgebung, sind wir zurück in Berner Landen, bei Olten wieder im solothurnischen Gebiet. Dazwischen, eines der kleinsten, aber von der Lage her schönsten, Städtchen heisst Aarburg und liegt bereits im Kanton Aargau. Am andern Ende der Bogenbrücke ist schon wieder Solothurn und die alles überragende und namensprägende Festung ist selbtverständlich ein Werk der Berner. Soweit zur wechselvollen Geographie und Geschichte der Region.
Hafenbecken in Biel-Bienne Einwasserungsstelle im Hafenbecken von Biel-Bienne
Malerisches Städtchen Büren an der Aare Malerisches Städtchen Büren an der Aare
Holzbrücke in Büren an der Aare Neugemachte Holzbrücke in Büren an der Aare
Einfahrt auf der Aare in die Altstadt von Solothurn Einfahrt auf der Aare in die Altstadt von Solothurn
Blick auf de Kathedrale von Solothurn Blick auf de Kathedrale von Solothurn
Alte Holzbrücke in Wangen an der Aare Alte Holzbrücke in Wangen an der Aare
Schloss Aarwangen im abendlichen Sonnenlicht Schloss Aarwangen im abendlichen Sonnenlicht
Festung und Kirche im Städtchen Aarburg Festung und Kirche im Städtchen Aarburg
Die Altstadt und Kirche von Olten Die Altstadt und Kirche von Olten
Im ursprünglichen Aarelauf kurz vor Aarau Im ursprünglichen Aarelauf kurz vor Aarau
   

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Heinz Rüegger - 16.09.2007 HOME