Auf der Aare von Thun nach Bern

08c

Einführung
Die Wetterprognosen standen gut, es war ein schöner und warmer Frühlingstag angekündigt, ideal um die die diesjährige Kanusaison zu eröffen. Doch Moment mal! Waren wir nicht bereits im Januar eine Woche unterwegs auf dem  Niger in Mali gewesen? Klar doch! Ausserdem erinnerten uns die Häufchen an schön gelbem Sand, die ständig noch aus dem Kanusack rannen, an diese tolle Tour in Afrika. Also dann halt Saisonauftakt auf den heimischen Gewässern. Im Gegensatz zum Niger, suchten wir uns einen Fluss mit etwas stärkerer Strömung aus und entschieden uns für den Aareabschnitt zwischen Thun und Bern, eventuell darüber hinaus.

Tagebuchausschnitte
Eine herrliche Bergkulisse
Auf der Zugfahrt von Bern nach Thun grüssten die frisch verschneiten Berge der Stockhornkette im Lichte der morgendlichen Sonne und wir fragten uns, ob uns dieses Panorama auch auf dem Rückweg auf dem Flusse begleiten würde. Es sollte sich aber wieder einmal deutlich zeigen, dass der Ausblick aus dem Kellergeschoss ein ganz anderer ist, als noch zu ebener Erde. Waren sie streckenweise noch durch die winterlich kahlen Bäme entlang des Ufers auszumachen, so kann man annehmen, dass nach dem Spriessen der Blätter im Frühling diese gänzlich zum Verschwinden kommen.
Einwassern bei der Schwäbis-Kaserne
Da die Aare durch die Stadt Thun nicht befahren werden kann, werden die Kanus üblicherweise unterhalb des Stauanlage bei der Schwäbis-Kaserne zu Wasser gelassen. Bedingt durch Bauarbeiten war der normale Zugang abgesperrt, so dass wir das Steilufer hinunter rutschen mussten, um den geplatteten Absatz innerhalb des gemauerten Uferbereichs zu erreichen. Dort hatten wir aber einen idealen Bauplatz, um unser Ally für die Flussfahrt herzurichten und uns startklar zu machen. Kaum gestartet, hatten wir auch bereits die ersten kleineren Zonen mit Wellen hinter uns zu bringen, was schon einmal zur Folge hatte, dass die vorne sitzende Sandra ein paar Spritzer des kalten Wassers abbekam.
Hindernis «Uttiger Schnelle»
  Die Strecke ist leicht, bis auf die «Uttiger-Schnelle» (nach der Eisenbahnbrücke), die ist nur nach vorhergehender Besichtigung zu fahren - oder zu umtragen.
 Reinhard Lutz in «25 Flussfahrten in der Schweiz. Mit Kanu, Schlauchboot, Paddelboot», Werd Verlag
  Eisenbahnbrücke bei Uttigen. Es folgt eine Schwallstrecke mit teilweise hohen Wellen («Uttiger-Schnelle»). Beste Durchfahrt in der linken Hälfte.
 Flussführer des Kanuclubs Bern
Unmittelbar bei (das «nach» oder «folgt» in den von uns benutzten Beschreibungen des Flussverlaufs war in diesem Zusammenhang ein bisschen irreführend) der Uttiger Eisenbahnbrücke befindet sich eine Stromschnelle, die zwar relativ kurz ist aber teilweise mit hohen Wellen aufwartet. Ursache für dieses als «Uttiger Schnelle» bekannte Hindernis, ist das in den Lauf der Aare eingelassene Fundament einer ehemaligen Eisenbahnbrücke. Für uns kam die Schnelle dann ein bisschen «auf die Schnelle», insbesondere da sich ein guter Anlandeplatz unmittelbar unter der Brücke befunden hätte!
Erste Kenterung in unserer Kanu-Karriere
Wir entschlossen uns kurzum zur Durchfahrt der Stromschnelle und gingen Sekundenbruchteile später auch bereits Baden. Dass Kentern so schnell gehen kann, hätte ich nicht erwartet. Es fühlte sich an wie bei einem Ausrutschen auf Glatteis, das Boot wurde seitlich von einer Welle erfasst, darauf wurden wir rauskatapultiert und das Kanu trieb auch schon Kiel nach oben auf dem Wasser.
Wir fassten das Kanu am Bug und dieses vor uns hin schiebend schwommen wir ins Kehrwasser, um auf die grossen Steine am rechten Ufer zu gelangen. Das Kanu hatten wir noch im Wasser gewendet, dann vollständig entladen und schliesslich seitwärts aus dem Wasser gezogen, damit dieses auslaufen konnte. Bis jetzt hatten wir noch ar keine Zeit gehabt, um die Kälte des Aarewassers wahr zu nehmen, doch wieder auf sicherem Grund entledigten wir uns der nassen Klamotten und kramten die trockenen Ersatzkleider aus dem Ortliebsack. Die nass gewordene Ausrüstung legten wir auf den Steinen aus, damit sie bereits wieder etwas antrocknen konnte, während wir noch versuchten, unsere restlichen Sachen zur Weiterfahrt zu ordnen.
Mittagessen im Belper Campagna
Auf dem nachfolgenden etwas ruhigeren Streckenabschnitt hatten wir den Belpberg zu unserer Linken. Ab und zu trat dessen Molassegestein bis ans Flussufer vor und fiel in der Form von Nagelflühen steil zum Wasser ab und gab der Flusslandschaft einen charakteristischen Anstrich. Wir machten flotte Fahrt und bald einmal tauchte am linken Ufer ein Tipi auf, welches zum Restaurant Campagna gehört. Wir legten nach der Brücke an, setzten uns zum Mittagessen an einen Tisch auf die Terrasse und breiteten erstmal die noch nassen Banknoten zum Trocknen aus.
Aarelandschaft erst korrigiert, dann renaturalisiert
Zwischen den beiden Städten Thun und Bern wurde der Lauf der Aare weitgehend korrigiert. Auf dem allerersten Abschnitt wurde der Fluss richtiggehend in einen Kanal gezwängt, in späteren Abschnitten werden Uferverbauungen sichtbar, welche zum Teil von weitem wie grosse Sandbänke aussehen, sich dann aber beim Näherkommen als eine Kunstlandschaft aus Betonplatten entpuppen. Daneben gibt es in neuerer Zeit aber auch Bemühungen zu einer Renaturalisierung der Flusslandschaft mit der Schaffung von naturnahen Auenlandschaften, wie beispielsweise in der Gegend um das oben erwähnte Restaurant Campagna in Belp.
Annäherung an die Bundeshauptstadt
Entlang der Spazierwege an den Ufern der Aare und auf den vielen Rastplätzchen am Fluss häuften sich nun die Erholungssuchenden, ein deutliches Zeichen, dass wir bald in der Stadt Bern sein würden. Noch eine Flussschlaufe beim Tierpark Dählhölzli und dann hatten wir die Kuppel des etwas pompös wirkenden Bundeshauses auf etwas höherer Warte direkt vor uns. Wir glitten am Marzilibad vorbei und nahmen die Leuchtanzeige «Wassertemperatur Aare: 7 C» doch leicht schaudernd zur Kenntnis. Bei unserem unfreiwilligen Bad in der Uttiger Stromschnelle dürfte es nicht viel wärmer gewesen sein!
Auf der Aare durch Bern
Die Stadt Bern wurde von den Zähringern in strategisch günstiger Lage auf einem von drei Seiten von der Aare umflossenen Molassesporn angelegt. Zahlreiche Brücken, davon die meisten als Hochbrücken ausgeführt, überspannen den tiefen Graben der Aare. Ihn mit dem Kanu zu durchfahren war äusserst reizvoll, obschon sich das Wetter gerade in diesem malerischen Abschnitt unserer Tour ein bisschen bedeckt zeigte. Das Wehr unterhalb des Münsterplatzes umgingen wir über das Schwellenmätteli und konnten alsbald wieder in die Aare einsetzen. Der schönste Abschnitt mit dem Mattenquartier zur Linken und den Durchfahrt durch die Bögen der Nydegg- und der Untertorbrücken, die vom Stadtzentrum zum Bärengraben führen, folgte nur allzuschnell. Mit dem Fotographieren musste man eilen, die kräftige Strömung des Flusses trieb das Boot doch zügig voran. An ein Anhalten war nicht zu denken, und den Pfeilern sollte man ja auch noch ausweichen können.
Durch die Schlucht aus Molassefelsen
Der Lauf der Aare in und nach Bern gleicht einem Ausschnitt aus den Windungen eines Darms, die wieder hervorgetretene Sonne haben wir im kurzen aber steten Wechsel mal im Rücken, mal im Angesicht, dann wieder zu unserer Linken oder Rechten. Auch landschaftlich ist dieser etwa 15 km lange Abschnitt, auf welchem wir uns nie mehr als 5 km Luftlinie vom Berner Münster entfernen, sehr abwechslungsreich und schön. Ein breiter bewaldeter Graben ergibt die landschaftliche Grundstruktur, darin eingelegt sind Abschnitte mit hervortretenden Molassefelsen. Durch die Wasserentnahme beim Wehr in der Enge und der Umleitung des Wassers durch den Berg zum Kraftwerk Felsenau fuhren wir auf einem Abschnitt, welcher durch viele Kiesbänke charakterisiert wurde. Es entstanden interessante Strömungsverhältnisse mit kurzen Schwallstrecken und Kehrwassern. Schnitt man letztere mit dem Boot an, konnte man mehr oder weniger unfreiwillig eine kurze Einlage mit einer Figur aus dem bekannten Kanuwalzer hinlegen.
Bei der alten gedeckten Holzbrücke mit dem passenden (?) Namen «Neubrück» booteten wir aus und kehrten mit dem Bus zum Berner Hauptbahnhof zurück. Für die nachfolgende Befahrung des langgezogenen Wohlener Sees hätte die Zeit nicht mehr ausgereicht.
Thuner Industrie vor der Kulisse der  Stockhornkette Thuner Industrie vor der Kulisse der Stockhornkette
Einwasserungsstelle an der Aare in Thun Einwasserungsstelle an der Aare in Thun
Frühstück in Thun Frühstück in Thun Auslege-Ordnung nach Kentern Auslege-Ordnung
Auslege-Ordnung nach Kentern bei der Uttiger Schnelle Auslege-Ordnung nach Kentern bei der Uttiger Schnelle
Mit Efeu überwachsene Molassefelsen Mit Efeu überwachsene Molassefelsen am Aareufer
Aarelandschaft mit steil abbrechenden Molassefelsen Aarelandschaft mit steil abbrechenden Molassefelsen
Naturschutzgebiet beim Restaurant Campagna, Belp Naturschutzgebiet beim Restaurant Campagna, Belp
Beim Restaurant an der Aare bei Belp Angelegt beim Restaurant Aare-Wehr, Matten und das Berner Münster Berner Altstadt & Münster
Das Bundeshaus in Bern Das Bundeshaus in Bern
Das Berner Unterstadtquartier an der Aare Das Berner Unterstadtquartier an der Aare
Fahrt durch die Die Nydegg- und Untertorbrücke beim Bärengraben Die Nydegg- und Untertorbrücke beim Bärengraben
Markannte Molassefelsen an der Aare bei Felsenau Markannte Molassefelsen an der Aare bei Felsenau
   

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Heinz Rüegger - 16.03.2008 HOME